Vertrag Psychotherapie Service KVNO aktuell Letzte Änderung: 04.11.2020 09:31 Uhr Lesezeit: 10 Minuten

Gesundheitspreis 2020 des Landes NRW: NPPV-Projekt gewinnt Gesundheitspreis

Das Versorgungsmodell „Neurologisch-psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung (NPPV)“, das von der KV Nordrhein und der IVP Networks GmbH entwickelt wurde und zusammen mit der AOK Rheinland/Hamburg sowie weiteren Krankenkassen und Kooperationspartnern umgesetzt wird, erhält den Gesundheitspreis 2020 des Landes Nordrhein-Westfalen.

© IVP Networks GmbH

Das vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses geförderte Projekt wird insbesondere für seinen alltagsnahen Ansatz ausgezeichnet, Patienten im Rheinland mit schweren neurologischen und psychischen Erkrankungen (Depressionen, Psychosen, komplexen Traumafolgestörungen, Demenz, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson und Schlaganfall) schnell und strukturiert Hilfe von Ärzten und Psychotherapeuten zu vermitteln. NPPV ist eine Antwort auf die wachsende Zahl von Patienten mit neurologisch-psychiatrischen Erkrankungen und psychotherapeutischem Behandlungsbedarf. Inzwischen wurden rund 12.000 Patienten im Rahmen des Behandlungsprogramms versorgt, der überwiegende Teil davon Versicherte der AOK Rheinland/Hamburg.

Für Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, ist die Auszeichnung vor allem eine Bestätigung des zentralen Netzwerk-Gedankens von NPPV. „Durch die vielen Beteiligten und ihre Vernetzung, durch intensiven Austausch und Kooperation können wir komplexe Versorgung effizienter organisieren. Das hilft vor allem den Patienten, denn wir können Wartezeiten verkürzen, vorzeitige Therapieabbrüche verhindern und eine höhere Lebensqualität schaffen. Zugleich entlasten wir die Behandler, indem wir auch ihnen Unterstützung bieten und ihre ärztlichen und therapeutischen Ressourcen schonen.“

Die Grafik zeigt Daten zum NPPV-Projekt
© KV Nordrhein
Neurologisch-psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung (NPPV) in Zahlen

Vernetzung als zentrales Element

Die spezifischen Angebote der einzelnen Netzwerkpartner werden regelmäßig gemeinsam in Qualitätszirkeln vorgestellt und diskutiert. So entstehen vertrauensvolle Zusammenarbeit, Transparenz und Verbindlichkeit durch Umsetzung der Behandlungspfade in IT-gestützte Prozesse. In die Netzwerke werden gezielt auch weitere wichtige Institutionen durch Netzwerkmanager einbezogen. Insbesondere Kliniken, Akteure der Selbsthilfe, aber auch andere lokale Projekte und Anbieter, zum Beispiel Ergotherapie, Pflege oder Integrationsfachdienste, haben sich bereits auf regionaler Ebene mit dem Projekt vernetzt. Die Informationen über die Angebote laufen in der zentralen Koordinationsstelle zusammen und werden so allen Patienten im Bedarfsfall zugänglich gemacht.

Zu den Kernelementen von NPPV zählt die Lotsenfunktion eines speziellen Bezugsarztes oder -therapeuten, der die Versorgung des Patienten individuell koordiniert und aus einer Palette von therapeutischen Angeboten die jeweils am besten geeigneten auswählt. Das Risiko, dass sich der Zustand der Patienten verschlechtert, wird reduziert, da sie zielgerichtet Unterstützung erhalten. Dabei hilft das NPPV-Netzwerk im Rheinland.

Besonders erwähnenswert: Dem Projekt ist es gelungen, niederschwellige Gruppenangebote im ambulanten Bereich fast flächendeckend zur Verfügung zu stellen. Über 220 solcher Angebote sind in den vergangenen drei Jahren in Nordrhein entstanden und dank einer digitalen Gruppenbörse im ganzen Netzwerk transparent und zugänglich.

Auch in Zeiten des Lockdowns

Die Situation im Lockdown war auch für das Projekt NPPV eine Herausforderung. Das Ausbleiben von Patienten aus den Praxen hat es deutlich erschwert, diese überhaupt mit den neuen Angeboten zu erreichen. Allerdings wurde sofort reagiert und alles darangesetzt, in der vor allem für die Patienten schwierigen Zeit die Versorgung aufrecht zu erhalten.

So wurde den Patienten die Möglichkeit gegeben, engmaschig Kontakt mit dem Bezugsarzt/-therapeuten per Telefon oder Videosprechstunde zu halten. Gruppenangebote wurden als Online-Seminare angeboten oder unter strengen Hygieneauflagen fortgesetzt.

Damit Qualitätszirkel und Netzwerktreffen nicht ausfallen mussten, wurden hier auch entsprechende Videokonferenzen organisiert. Die E-Mental-Health Programme wurden von den Patienten in dieser Phase noch häufiger in Anspruch genommen als bereits zuvor.

Blaupause für die Regelversorgung

Als Innovationsfondsprojekt hat NPPV den Anspruch, zukünftig den Weg in die Regelversorgung zu schaffen. Um den Nachweis der Wirksamkeit zu erbringen wird das Projekt daher umfangreich evaluiert. Das IGES Institut untersucht die patientenseitigen Endpunkte, während das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) unter anderem die teilnehmenden Ärzte und Psychotherapeuten befragt. Zusätzlich findet aktuell eine Befragung der Angehörigen von teilnehmenden Patienten statt, um auch deren Perspektive zu erfassen.

Das NPPV-Projekt startete Ende 2017. Aktuell sind über 7.000 Versicherte eingeschrieben, fast 400 Nervenärzte, Neurologen und Psychiater sowie rund 300 Psychotherapeuten beteiligen sich an der vernetzten Versorgung. Neben der AOK Rheinland/Hamburg nehmen auch die BKK Deutsche Bank AG sowie die Continentale BKK am Projekt teil. Weitere Kooperationspartner sind der BKK Landesverband Nordwest, das Zi und das IGES Institut GmbH.

Preisverleihung

Über die aktuelle Auszeichnung hinaus hat NPPV bereits 2019 den „Preis für Gesundheitsnetzwerker“ gewonnen und schaffte es 2020 auf die Shortlist zum MSD Gesundheitspreis.
NRW Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sollte den mit 5.000 Euro dotierten Gesundheitspreis des Landes Nordrhein-Westfalen ursprünglich am 5. November an die Projektpartner übergeben. Aufgrund der aktuellen Corona-Regelungen kann die Preisverleihung nicht wie geplant stattfinden. Sie wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

  • Simone Heimann / René Engelmann

KVNO aktuell 11 (PDF, 6,5 MB)

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