Impfung Letzte Änderung: 26.11.2021 12:52 Uhr

„In der Impfkampagne jagt ein Desaster das nächste!“

Der Erfolg der Impfkampagne gegen das Coronavirus ist nach Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein durch massive politische Fehler in unmittelbare Gefahr geraten.

© KV Nordrhein

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hatte erst am vergangenen Freitag (19.11.) verkündet, dass der in Deutschland mit Abstand am meisten genutzte Impfstoff BionTech den Praxen künftig nur begrenzt zur Verfügung steht – dafür könne, so die Aussagen des geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers, Jens Spahn, aber der Impfstoff Moderna unbegrenzt bestellt werden. Diese Aussage bezog sich auf Lieferungen für die kommende Woche.

Seit gestern erreichen die KV Nordrhein nun zahlreiche Hilferufe von Praxen im Rheinland, die bereits jetzt deutlich weniger BionTech-Impfstoff geliefert bekommen haben, als ihnen zugesagt wurde. Entsprechende Nachfragen der KV beim Pharma-Großhandel haben ergeben, dass es teilweise massive Lieferengpässe gibt. Dadurch müssen z.B. Praxen im Oberbergischen Kreis, im Raum Aachen, im Kreis Viersen und in Köln Impftermine wieder absagen. Als konkretes Beispiel sei hier Köln genannt: Nach Aussagen des Kreisstellenvorsitzenden der KV Nordrhein, Dr. Jürgen Zastrow, sind in den Impfstellen der Stadt und über mobile Aktionen, die von Vertragsärzten der KV unterstützt werden, bis Weihnachten über 16.000 Termine für Impfungen mit BionTech vereinbart worden. Geliefert werden sollen laut BMG dagegen nur etwas über 1.000 Dosen pro Woche, sagt Zastrow. Das heiße, man könne bis zu den Feiertagen voraussichtlich nur ein Viertel der Termine bedienen.  

Nun hat das BMG zusätzlich angekündigt, dass für die kommende Woche aufgrund der hohen Nachfrage gut die Hälfte der BionTech-Bestellungen nicht bedient werden kann. Viele Praxen werden kommende Woche also weniger Impfstoff erhalten, als sie bestellt haben. Insgesamt fehlen nach Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bundesweit rund zwei Millionen Dosen. Selbst beim Impfstoff Moderna kann es regional zu Kürzungen kommen. Dies widerspricht den von Bundesgesundheitsminister Spahn getätigten Aussagen, wonach für Praxen genug Moderna-Impfstoff vorhanden sei.

„So kann es einfach nicht weitergehen, in den vergangenen Wochen jagt im Bund ein Desaster das nächste. Es ist noch nicht lange her, da hat die Politik den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten vorgeworfen, sie würden die Impfkampagne verschleppen. In Wahrheit sind sie es, die dafür sorgen, dass der Impfmotor nicht stottert. Die Praxen in Nordrhein impfen, was das Zeug hält – sogar am Abend nach den Sprechstunden und an den Wochenenden. Die Niedergelassenen und ihre Praxisteams sind mit ihren Kräften am Limit und trotzdem lassen sie beim Impfen nicht nach: aus Verantwortung für die Gesellschaft! Es ist die Politik, die hier ihre Hausaufgaben nicht macht und den Fortschritt beim Impfen bremst. Mit Blick auf die Infektionszahlen dürfen jetzt einfach keine solch groben Fehler gemacht werden, sonst droht die Impfkampagne gänzlich zu scheitern“, kommentiert der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein, Dr. med. Frank Bergmann, die Situation.

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